Sprungziele
Inhalt
16.01.2026

Erste Informationen zur kommunalen Wärmeplanung

Wärmenetze in dichter Bebauung denkbar, Flüsse mit großen Energiepotenzialen

16.01.2026

Mit der kommunalen Wärmeplanung beginnt ein Prozess, der aufzeigen soll, wie die Wärmeversorgung vor Ort perspektivisch klimaneutral gestaltet werden kann. Ziel ist es, langfristige Strategien zu entwickeln, mit denen sich die Wärmewende bezahlbar, zuverlässig und lokal angepasst umsetzen lässt. Am 14. Januar 2026 stellten Mitarbeiter des Hamburg Institut die Ergebnisse der Potenzialanalyse rund 70 interessierten Bürgerinnen und Bürger im Welfenschloss während einer Informationsveranstaltung vor (die Präsentation finden Sie in der Randspalte rechts).

Das Hamburg Institut unterstützt die Dreiflüssestadt bei der kommunalen Wärmeplanung und zeigt auf, wie die Wärmeversorgung vor Ort perspektivisch klimaneutral gestaltet werden kann. Ziel ist es, langfristige Strategien zu entwickeln, mit denen sich die Wärmewende bezahlbar, zuverlässig und auf die lokalen Gegebenheiten angepasst umsetzen lässt.

Gesetzliche und zeitliche Vorgaben

2026 soll die kommunale Wärmeplanung abgeschlossen sein und damit konform mit dem niedersächsischen Klimagesetz (NKlimaG). Das bedeutet, laut NKlimaG müssen Mittelzentren bis zum 31. Dezember 2026 einen Wärmeplan erstellen. Der Wärmeplan bildet künftig eine wichtige Entscheidungsgrundlage, etwa für Investitionen in kommunale Infrastruktur und Kooperationen mit der Wohnungswirtschaft. Die Wärmeplanung ist ein strategisches Instrument, ist rechtlich unverbindlich und ohne konkrete Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger.

Das bedeutet: Bestehende Heizungsanlagen in Privatimmobilien sind von der Wärmeplan nicht unmittelbar betroffen. Funktioniere eine Heizung, egal mit welchem Energieträger sie betrieben werde, könne sie zeitlich uneingeschränkt genutzt werden, erklärt Berater Justus Börms. Sollte eine Heizung defekt sein und ausgetauscht werden müssen, könnten Hausbesitzer bis zum 30. Juni 2028 weiterhin Heizkessel verbauen lassen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, z.B. Erdgas. Nach diesem Stichtag würden die Vorgaben wie bei einem Neubau gelten, und 65 Prozent der Wärmegewinnung aus erneuerbaren Energien stammen müssen.

Bestands- und Potenzialanalyse als Ausgangspunkt

Grundlage der städtischen Wärmeplanung ist eine umfassende Analyse des aktuellen Wärmebedarfs, der vorhandenen Infrastrukturen sowie der lokalen Potenziale, etwa für Wärmenetze, Umweltwärme, Geothermie oder den Einsatz von Wärmepumpen. Aufbauend auf dieser Bestandsaufnahme wird ein konkreter Plan erarbeitet, der realistische Transformationspfade aufzeigt, Maßnahmen benennt und Prioritäten setzt.

Der sogenannte Endenergiebedarf Hann. Mündens stammt laut Recherchen des Hamburg Institut zu 62 Prozent aus dem Endenergieträger Gas, zu 36 Prozent aus nicht leitungsgebundenen Endenergieträgern (z.B. Heizöl) und zu 2 Prozent aus Fernwärme. 64 Prozent des Energiebedarfs entfallen auf Privathaushalte, 27 Prozent auf Gewerbe, Handel und Dienstleister, 7 Prozent auf Industrie und 2 Prozent auf kommunale Einrichtungen. Alle genannten Sektoren erzeugen bei einem Gesamtenergiebedarf von etwa 308 Gigawattstunden etwa 74.700 Tonnen CO2 pro Jahr.

Gas (noch) Energieträger Nummer 1

Obwohl Gas in puncto Wärmeversorgung das Feld der Energieträger mit großem Abstand anführt, drohe durch gesetzliche vorgeschriebene Erhöhung der erneuerbaren Anteile durch Biomethan ein Preissprung, weil dieser Energieträger laut Börms nur begrenzt zur Verfügung stehe. Zudem würden sich immer mehr Haushalte aufgrund des ab 2028 ausweitenden CO2-Handels vom Gasnetz abkoppeln, was zu steigenden Netzentgelten führe. Schlussendlich werde es Gasnetzbetreibern ermöglicht, einzelne Gasnetzabschnitte aus wirtschaftlichen Gründen stillzulegen.

In der Altstadt, im Stadtteil Neumünden sowie den Ortsteilen Gimte und Hedemünden hat das Hamburg Institut ganze Quartiere ausgemacht, die einen erhöhten Wärmebedarf auf engstem Raum aufweisen und sich für ein flächendeckendes Wärmenetz eignen würden. Für weniger dicht bebauten Gebiete würde sich dagegen eher individuelle Heizungslösungen dezentraler Art (z.B. Dachflächen-Solarthermie oder Luft-Wärmepumpe) anbieten. Eine detailliertere Betrachtung dieser Gebiete erfolgt in den kommenden Wochen.

Flüsse mit großen Energiepotenzialen

Durch die Lage an Fulda, Werra und Weser könnte Flusswärme die Säule der zukünftigen zentralen Wärmeversorgung in Hann. Münden werden und eine Wärmemenge von 50 bis 1.500 Gigawattstunden/Jahr liefern. Allerdings unterliegen die Gewässer saisonalen Schwankungen: Im Sommer treten hohe Temperaturen (bis zu 26 Grad Celsius) und niedrige Durchflüsse auf. Im Winter sei dies jedoch genau umgekehrt. Temperatur und Durchfluss beeinflussen die Effizienz der Wärmepumpe. So sei eine effektive Energiegewinnung nur saisonal möglich.

Die Fulda biete trotz identischer Wassertemperaturen allein aufgrund des wesentlich höheren Mittleren Niedrigwasserabflusses (MNQ) am Standort Bonaforth ein besseres Energiegewinnungspotenzial (zwischen 77 bis 900 Gigawattstunden im Jahr) als die Werra am Standort Letzter Heller (38 bis 460 Gigawattstunden pro Jahr). Das größte Energiepotenzial biete die Weser mit einem MNQ von 168.000 Kubikmetern pro Stunde und einer möglichen Leistung zwischen 120 bis 1.500 Gigawattstunden pro Jahr. Die Standortwahl einer Energiegewinnungsanlag sei nicht durch Naturschutzgebiete oder Biosphärenreservate eingeschränkt. Das Hamburg Institut empfiehlt, industriell geprägte Standorte zu bevorzugen, da es dort u.a. geringere Einschränkungen hinsichtlich Größe und Schallemissionen zu erwarten seien.

Die sogenannte Freiflächen-Solarthermie sei mit zu erwartenden Wärmemengen von etwa 350 bis 2.400 Gigawattstunden pro Jahr aus energetischer Sicht zwar am vielversprechendsten, habe aber angesichts eines hohen Flächenbedarfs und einer starken saisonalen Abhängigkeit auch einige Nachteile. Als dezentrales Potenzial kämen die Oberflächennahe Geothermie (70 bis 120 Gigawattstunden/Jahr) oder Luft-Wärmepumpen (bis zu 220 Gigawattstunden/Jahr) in Betracht.

Energieeinsparungen durch umfassende Gebäudesanierungen

Durch Gebäudesanierungen sei eine Senkung des Bedarfs an erneuerbarer Wärme bis zum Jahr 2045 um bis zu 11 Prozent möglich, so Börms. Voraussetzung für diese Annahme sei, dass Gebäude mit einem hohen Wärmeverbrauch zuerst saniert würden – etwa 190 pro Jahr.

Bis zum März 2026 sollen sowohl mögliche Optionen zur Deckung des zukünftigen Wärmebedarfs mit erneuerbaren Energien (Zielszenario) als auch als auch der Fahrplan zur Gestaltung der klimaneutralen Wärmeversorgung (Wärmewendestrategie mit Maßnahmenkatalog) aufgestellt werden. Die Ergebnisse sollen im April 2026 während einer zweiten öffentlichen Informationsveranstaltung präsentiert werden. Voraussichtlich im Mai wird ein politischer Beschluss zum Wärmeplan erfolgen.

Weitere Informationen erhalten Interessierte per Mail unter kwp@ivm-muenden.de.

Autor/in: Pressestelle Stadt Hann. Münden

Randspalte

nach oben zurück