Erinnerung an Demütigung und Verfolgung
Stadt lädt am 9. November zum Gedenken ein
05.11.2025
Am Sonntag, 9. November 2025, jährt sich die Reichspogromnacht zum 87. Mal. In jener Nacht des Jahres 1938 wurden in ganz Deutschland Synagogen zerstört, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger verfolgt, gedemütigt und entrechtet. Auch in Hann. Münden hinterließen diese Ereignisse Spuren.
Ein besonders bewegendes Zeugnis stammt aus dem Jahr 1939: Am 12. Juni 1939 bat der frühere Synagogenvorsteher Julius Löwenthal die Stadtverwaltung, einigen älteren jüdischen Bürgerinnen und Bürgern die Nutzung von Ruhebänken außerhalb der Stadt zu gestatten. Bürgermeister Hermann Mühlenberg lehnte ab – mit der zynischen Bemerkung, sie sollten sich „auf ihren alten Friedhof am Vogelsang setzen“. Bei Zuwiderhandlungen sei, so vermerkte er, „die Kriminalpolizei einzuschalten“. Weniger als ein Jahr später war auch dieser Friedhof verkauft. An einen örtlichen Unternehmer, der dort Brennholz lagerte. Im Nachkriegsdeutschland wurde Mühlenberg für sein Verhalten nicht zur Rechenschaft gezogen. Im Gegenteil, er blieb Ehrenbürger der Universität des Saarlandes. Noch in den 1970er Jahren wurde er bei einem Besuch in der Dreiflüssestadt herzlich empfangen.
Diese Geschichte, so schmerzhaft sie ist, erinnert uns daran, was es bedeutet, hinzusehen, zu erkennen und zu vermitteln, was war – und daraus Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. Das Vermächtnis der Holocaustüberlebenden mahnt uns, Frieden, Nächstenliebe und Achtsamkeit zu leben.
Gedenkveranstaltung am 9. November 2025
Die Stadt Hann. Münden lädt alle Bürgerinnen und Bürger herzlich ein, gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken und ein sichtbares Zeichen gegen Antisemitismus, Hass und Vergessen zu setzen. Die entsprechende Gedenkveranstaltung am Sonntag, 9. November 2025, beginnt um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Blasius Kirche.
Im Anschluss sind alle Besucherinnen und Besucher eingeladen, beim Verlassen der Kirche an der Bronzetafel am südwestlichen Strebepfeiler symbolisch Teelichter als „Licht der Erinnerung“ zu entzünden. Wenn es das Wetter zulässt, schließt sich gegen 11 Uhr die Gedenkfeier an der Stele an der Südseite des Rathauses an. Aufgrund der laufenden Bauarbeiten sind die Platzverhältnisse dort eingeschränkt. Bürgermeister Tobias Dannenberg wird die Anwesenden an der Stele begrüßen, bevor Sarah Heerlein und Stefan Schäfer von Stadtarchiv das Wort ergreifen und über die historische Bedeutung des Gedenktages sowie die bleibende Verantwortung sprechen werden. Auch achtzig Jahre nach Kriegsende sei die Zeit für einen Schlussstrich nicht gekommen. Dazu werden Auszüge aus den Erinnerungen eines Zeitzeugen vorgetragen, der als Jugendlicher die Ereignisse um den 9. November 1938 erlebte und später offen über Verblendung, Schuld und Erkenntnis sprach.
Julia Bytom vom Verein Erinnerung und Mahnung lädt zu einem abschließenden Moment des Innehaltens ein. Symbolisch werden Teilnehmende dazu eingeladen, Steine auf der Stele als Zeichen der Erinnerung abzulegen. Das Ende der Veranstaltung ist gegen 11:30 Uhr vorgesehen.
Autor/in: Pressestelle Stadt Hann. Münden