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Interkommunale Zusammenarbeit: Reinhardshagen und Hann. Münden mit erster gemeinsamer Sitzung

Kommunen schrieben Geschichte: „Es ist ein Zeichen in Zeiten, in denen sich auf höherer Ebene vieles trennt.“

11.07.2022

Mit der ersten gemeinsamen Sitzung der Gemeindevertretung Reinhardshagens und des Rates der Stadt Hann. Münden schrieb man am vergangenen Donnerstag laut dem Hann. Mündener Ratsvorsitzenden Dr. Wilfried Kraft Geschichte: „Es ist ein Zeichen in Zeiten, in denen sich auf höherer Ebene vieles trennt.“

Es war das erste Mal, dass die Verwaltungsspitzen aus Nordhessen respektive Südniedersachsen in dieser Form zusammenfanden. Hann. Mündens Bürgermeister Tobias Dannenberg begrüßte die Gäste aus der Nachbargemeinde recht herzlich. Seinen aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Amtskollegen Fred Dettmar vertrat Corinna Fiege-Borchert. Beste Genesungswünsche gingen an dieser Stelle stromabwärts.

Wie Wolfgang Bertelmann als Vorsitzender der Gemeindevertretung Reinhardshagens mitteilte, fühlen sich die Nordhessen aufgrund der Nähe viel stärker mit der Drei-Flüsse-Stadt verbunden als mit Hofgeismar. Gemeinsam mit dem Hann. Mündener Ortsteil Hemeln habe man, obwohl räumlich durch die Weser getrennt, die interkommunale Zusammenarbeit zwischen beiden Kommunen angestoßen und wolle sie nun voranbringen.

Eine fördermittelfinanzierte Machbarkeitsstudie, vorgestellt durch Carmen Möller vom Unternehmen Komprax Result aus Burgwald, zeigte auf, wie dies gelingen könnte. Der Studie gingen gemeinsame Abstimmungen einer mehrköpfigen Lenkungsgruppe sowie eine Befragung in Reinhardshagen und Hemeln voraus. Ziel der Ausarbeitung: Sowohl Reinhardshagen als auch Hann. Münden sollen ihren Status als lebenswerte Kommunen auch in Zukunft behalten. Basis der Machbarkeitsstudie bildet die Ausgangslage beider Kommunen. Hier wurden historische Gemeinsamkeiten, die abgeschiedene Lage, Einwohnerzahlen, kommunale Finanzen, Herausforderungen wie etwa durch Klima, Digitalisierung oder Pandemie sowie die Daseinsvorsorge näher beleuchtet. Hinzu kommen Landesentwicklung, Regional- sowie Schul- und Nahverkehrsplan.

In einer Umfrage wurden die in beiden Kommunen lebenden Menschen, Erwachsene wie auch Jugendliche, unter anderem dazu befragt, wo sie einkaufen, einen Arzt aufsuchen, zum Friseur gehen, ob sie kulturelle oder das gastronomische Angebote auf der jeweils anderen Weserseite nutzen respektive welche anderen Gründe sie haben, die Nachbarkommune aufzusuchen (z.B. Besuch von Sportverein, Jugendfeuerwehr, Bücherei, Jugendclub etc.).

Die Vorteile der gemeinsamen Nutzung vorhandener Infrastruktur zeigte sich auch in anderen Bereichen. So könnten sich die Bauhöfe in der Ferienzeit gegenseitig vertreten oder Spezialausstattung gemeinsam beschafft und genutzt werden. Beim Brandschutz wäre denkbar, so Möller, Ausstattungen gemeinsam zu beschaffen und feuerwehrtechnische Aufgaben untereinander aufzuteilen. Weitere Zusammenarbeit in ähnlicher Form sei unter anderem zwischen den Büchereien, den Vereinsförderungen, Kinderspielplätzen, Jugendförderungen, im Gesundheitswesen, Waldbewirtschaftungen und den Bereichen Tourismus oder Abwasser möglich.

Zur Gestaltung einer solchen Zusammenarbeit auf Verwaltungsebene wird laut Möller eine vertragliche Vereinbarung zwischen den beiden Kommunen, aufgabenbezogene Einzelfallregelungen, administrative Schnittstellen sowie eine Arbeitnehmerüberlassung empfohlen. Sollte ein Zweckverband gegründet werden, bedarf es dazu einer satzungsgemäßen Neugründung. Politische und administrative Schnittstellen sollten dabei eingebunden werden: „In Niedersachsen ist die Zweckverbandslösung immer nachranging zu der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung“, teilte Möller mit. Sie empfahl ein sukzessives Vorgehen was die interkommunale Zusammenarbeit betrifft.

Hann. Mündens Bürgermeister Tobias Dannenberg stellte nach dem Vortrag fest: Finanziell ist Hann. Münden nicht auf Rosen gebettet, deshalb verschließen wir uns Einsparungspotentialen natürlich nicht. Die Machbarkeitsstudie zeigt, was möglich wäre. Es liegt nun an uns herauszufinden, was uns dabei hilft gestärkt in die Zukunft zu gehen.“

Autor: M. Simon, PRESSESTELLE 

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