Haushaltsentwurf 2027: Fünf Millionen Euro Defizit
Stadt plant Investitionen von 9,6 Millionen Euro – Verschuldung seit 2021 um rund 28 Millionen Euro reduziert
06.11.2026
Die finanziellen Spielräume der Stadt Hann. Münden bleiben angespannt. Der am vergangenen Donnerstag von Bürgermeister Tobias Dannenberg in den Rat eingebrachte Haushaltsentwurf für 2027 sieht Erträge von rund 55,5 Millionen Euro und Aufwendungen von rund 60,5 Millionen Euro vor. Daraus ergibt sich ein voraussichtliches Defizit von fünf Millionen Euro. Gleichzeitig sind Investitionen in Höhe von rund 9,6 Millionen Euro geplant, die größtenteils über Kredite finanziert werden müssen.
„Wir können auf Dauer nicht durch kommunale Haushaltsdisziplin ausgleichen, was durch eine unzureichende Aufgabenfinanzierung auf anderen staatlichen Ebenen entsteht. Unsere Aufgaben und die damit verbundenen Kosten wachsen, während die finanziellen Spielräume immer enger werden. Deshalb müssen wir stärker priorisieren und gemeinsam entscheiden, welche Investitionen notwendig sind und welche Leistungen wir langfristig finanzieren können“, betonte Tobias Dannenberg.
Kinderbetreuung und Infrastruktur mit hohem Finanzbedarf
Besonders deutlich wird die Kostenentwicklung bei der Kinderbetreuung: Die jährlichen Aufwendungen haben sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt: Von rund 3,5 Millionen Euro im Jahr 2015 auf voraussichtlich 7,3 Millionen Euro im Jahr 2027. Notwendige Investitionen in Gebäude und deren Unterhaltung kommen noch hinzu.
Auch Straßen, Brücken, öffentliche Gebäude und Einrichtungen weisen einen erheblichen Sanierungsbedarf auf. Der Investitionsstau in Hann. Münden wird auf mehr als 40 Millionen Euro beziffert. Zu den größeren Vorhaben der vergangenen Jahre zählen das Sportzentrum am Rattwerder, Investitionen in die Feuerwehren, die Sanierung des historischen Rathauses und die Umgestaltung des oberen Schlossplatzes. Für den geplanten Ausbau des Philosophenweges ist ein Gesamtvolumen von rund zwölf Millionen Euro vorgesehen.
Verschuldung seit 2021 um rund 28 Millionen Euro gesenkt
Einen positiven Rückblick zog der Bürgermeister bei der Entwicklung der städtischen Verschuldung. Als er am 1. November 2021 sein Amt übernahm, lagen die Liquiditätskredite bei 33 Millionen Euro. Inzwischen sind sie auf 2,2 Millionen Euro gesunken. Die langfristigen Darlehen stiegen im gleichen Zeitraum von rund 19,9 auf 23,1 Millionen Euro. Insgesamt reduzierte sich die Verschuldung damit von rund 53 Millionen Euro auf aktuell etwa 25 Millionen Euro, was einem Rückgang um rund 28 Millionen Euro innerhalb von fünf Jahren entspricht. Angesichts der prognostizierten Haushaltsdefizite sei ein weiterer Schuldenabbau kaum noch möglich. Vielmehr bestehe die Gefahr einer erneuten Zunahme der Verschuldung.
8,1 Millionen Euro Kreditaufnahme für Investitionen geplant
Der Finanzhaushalt weist aus der laufenden Verwaltungstätigkeit einen negativen Saldo von rund 1,4 Millionen Euro aus. Für Investitionen sind 2027 Auszahlungen von rund 9,6 Millionen Euro vorgesehen. Dem stehen Finanzierungsmittel von etwa 1,5 Millionen Euro gegenüber. Daraus ergibt sich ein geplanter Kreditbedarf von rund 8,1 Millionen Euro und unter Berücksichtigung der Tilgungsleistungen eine Nettoneuverschuldung von rund 6,5 Millionen Euro.
Zu den wichtigsten Vorhaben gehören:
• Feuerwehr: 1,5 Millionen Euro zusätzlich für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses Gimte/Volkmarshausen sowie 600.000 Euro für neue Einsatzfahrzeuge.
• Historisches Rathaus: 600.000 Euro für Baumaßnahmen im Süd-West-Flügel und eine Million Euro für die Sanierung der Rathausfassade. Hierfür wird eine Förderung von 417.000 Euro erwartet.
Hohe laufende Aufwendungen schränken Spielräume ein
Die größten Aufwandspositionen verdeutlichen die begrenzten finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten. Die Personalaufwendungen liegen bei rund 17,5 Millionen Euro, die Sach- und Dienstleistungen bei 7,8 Millionen Euro. Davon entfallen 1,2 Millionen Euro auf die Straßenunterhaltung, 907.000 Euro auf die Feuerwehren, 825.000 Euro auf die Schulen, 766.000 Euro auf die allgemeine Verwaltung und 527.000 Euro auf die Kindertagesstätten.
Hinzu kommen die Kreisumlage mit 17,8 Millionen Euro, die Gewerbesteuerumlage mit 1,3 Millionen Euro sowie 7,3 Millionen Euro für die Kinderbetreuung. Zusammen ergeben diese fünf großen Aufwandsbereiche rund 51,7 Millionen Euro beziehungsweise 85,5 Prozent der Gesamtaufwendungen.
Von den verbleibenden rund 8,8 Millionen Euro entfallen unter anderem 2,7 Millionen Euro auf Abschreibungen, 1,5 Millionen Euro auf Zinsen, 1,1 Millionen Euro auf Versorgungsaufwendungen und 770.000 Euro auf weitere Transferaufwendungen. Der tatsächlich frei verfügbare finanzielle Spielraum ist damit deutlich kleiner als die Gesamtsumme des Haushalts vermuten lässt.
Gewerbesteuer als wichtige Einnahmequelle
Für 2027 ist ein Gewerbesteueraufkommen von rund 16,6 Millionen Euro eingeplant. Diese Einnahmen sind eine wesentliche Grundlage für die Finanzierung kommunaler Aufgaben, hängen jedoch von der wirtschaftlichen Entwicklung und der Ertragslage der örtlichen Unternehmen ab. Dannenberg betonte deshalb die Bedeutung attraktiver Rahmenbedingungen für bestehende Betriebe und neue Ansiedlungen, verfügbarer Gewerbeflächen und einer leistungsfähigen Infrastruktur.
Klare Prioritäten für die Haushaltsberatungen
Mit Blick auf die anstehenden Beratungen appellierte der Bürgermeister an Rat und Verwaltung, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, Investitionen konsequent zu priorisieren und bestehende Aufgaben und Standards kritisch zu überprüfen.
Die Rede des Bürgermeisters zur Einbringung des Haushaltsentwurfs 2027 im Wortlaut finden Sie in der rechten Randspalte.