Außergewöhnliche Funde auf dem oberen Schlossplatz
Neue Erkenntnisse zur Frühgeschichte der Burganlage
16.07.2026
Die archäologischen Untersuchungen der mittelalterlichen Burganlage auf dem oberen Schlossplatz haben bedeutende neue Erkenntnisse zu einer früheren Besiedlung des Areals erbracht. Neben weiteren Elementen der bislang nur in Teilen fassbaren mittelalterlichen Burganlage konnten überraschende Funde dokumentiert und gesichert werden, die die Geschichte des Ortes möglicherweise neu schreiben werden.
Eine erste Reihe naturwissenschaftlicher Untersuchungen wurde durch das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse einer ersten Serie von sogenannten Radiocarbondatierungen, mit denen das Alter organischer Materialien bestimmt werden kann, weisen ein einheitliches Bild auf: „Der älteste der nachgewiesenen Siedlungshorizonte datiert in den Zeitraum zwischen 1030 und 1150 n. Chr. Damit sind die Funde deutlich älter als die bislang gesicherte schriftliche Ersterwähnung von Stadt und Burg Hann. Münden“, teilt Tobias Uhlig vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege mit.
Archäologen entdeckten Grubenhäuser
Kurz vor Bekanntwerden dieser Ergebnisse gelang der von der Stadt beauftragten Fachfirma Archäomedes ein weiterer überraschender Fund: Im zentralen Bereich der Regenwasserzisterne wurden zwei sogenannte Grubenhäuser freigelegt. Dabei handelt es sich um kleine, halb in den Boden eingetiefte Gebäude, die im Früh- und Hochmittelalter häufig für handwerkliche Tätigkeiten genutzt wurden. Im Früh- und begleitenden Hochmittelalter treten Grubenhäuser in Niedersachsen sowohl in ländlichen Siedlungen als auch im Umfeld von Pfalzen, Klöstern und Burganlagen auf. Ihr Vorkommen in Hann. Münden unterstreicht den frühen zeitlichen Ansatz der Besiedlung und macht sie zu den bislang ältesten bekannten mittelalterlichen Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet.
Die beiden Gebäude enthielten zahlreiche archäologische Funde, darunter gut datierbare Keramikfragmente sowie eine Gewandschließe in Form einer Scheibenfibel, die in das 9. bis 11. Jahrhundert datiert werden kann.
„Die neuen Erkenntnisse eröffnen spannende Perspektiven für die Erforschung der frühen Geschichte Hann. Mündens. Die weitere Auswertung der Grabungsbefunde verspricht, die Entstehung und Entwicklung der Burganlage in wesentlichen Teilen neu zu bewerten und könnte wichtige neue Einblicke in die Anfänge der Stadt liefern“, so Uhlig abschließend.
Autor/in: Pressestelle Stadt Hann. Münden