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28.01.2026

Erinnerung an schwer greifbare Zeiten

Stadt gedachte mit Abendveranstaltung der Opfer des Holocaust

28.01.2026

Gemeinsam mit Stadtarchivar Stefan Schäfer und Stadtarchivarin Sarah Heerlein empfingen Julia Bytom in Vertretung des ehemaligen Vereins „Erinnerung und Mahnung“ sowie Bürgermeister Tobias Dannenberg rund 50 Bürgerinnen und Bürger am Dienstagabend auf dem Szene-Platz, um der zahlreichen Opfer des Holocaust zu gedenken. Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.

An der Stele richtete zunächst der Bürgermeister das Wort an die Teilnehmenden: „Gedenktage sind nicht nur ein Blick zurück – sie sind vor allem ein Auftrag für die Gegenwart und die Zukunft. Wir erinnern an die Opfer von Gewalt, Willkür und Unrecht. Ihr Schicksal mahnt uns, wie zerbrechlich Freiheit, Menschenwürde und Demokratie sein können, wenn sie nicht aktiv geschützt und gelebt werden. Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie lebt von Engagement, von Respekt, von Toleranz und vom festen Willen, Konflikte friedlich und im Rahmen rechtsstaatlicher Prinzipien zu lösen.“

Und weiter: „Gerade in unserer Zeit erleben wir weltweit Entwicklungen, die diese Werte zunehmend unter Druck setzen. Außenpolitische Ereignisse zeigen, wie schnell demokratische Institutionen geschwächt, gesellschaftliche Gräben vertieft und das Vertrauen in freie Medien, Justiz und Wahlen untergraben werden können. Solche Tendenzen führen uns vor Augen, wie wichtig eine starke Zivilgesellschaft, unabhängige Institutionen und eine klare Haltung für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind.“

Bevor die Anwesenden Kieselsteine auf die Stele legten, um der Holocaust-Opfer zu gedenken, skizzierte Sarah Heerlein ein konträres Familienschicksal, dass sich während der Nazi-Herrschaft zu einem Teil in Hann. Münden zugetragen hatte. Während Betty Proskauer und ihr Mann, der Mündener Altwarenhändler Julius Proskauer im März 1942 über Hannover-Ahlem in das Warschauer Ghetto deportiert und 31.12.1945 für tot erklärt wurden, hatte Bettys Schwester, die nahe Würzburg lebende Fanny Guggenheim, das Glück, 1939 mit ihren Liebsten in die USA auszuwandern. Dieser Entschluss manifestierte sich, nachdem die Reichspogromnacht ein Jahr zuvor alle Hoffnungen auf ein friedvolles Weiterleben in Deutschland zerstört hatte. 2017 besuchte der Neffe der Proskauers, Armin Guggenheim, gemeinsam mit seiner Frau Charlotte Hann. Münden, um mehr über das Schicksal von Onkel und Tante zu erfahren.

Stadtarchivar schildert Begegnung mit Holocaust-Überlebenden

Abschließend legten die Redner einen Kranz vor der Stele nieder. Stefan Schäfer lud abschließend in das Corvinushaus ein, um in Wort und Bild über seine im vergangenen Jahr angetretene Bildungsreise, bei der es erneut zum Zusammentreffen mit Dr. Leon Weintraub kam. Der heute 100-Jährige gastierte als Holocaustüberlebender bereits Ende 2024 in Hann. Münden, um über seine damaligen Erlebnisse zu sprechen. Einer seiner Beweggründe für seinen Besuch war die Herkunft seiner Frau, die ihren Mann auf seiner Reise in die Dreiflüssestadt begleitete. Evamaria Loose-Weintraub verbrachte ihre Kindheit und Jugend von 1946 bis 1955 in Hann. Münden. Im Alter von zwei Jahren kam sie als Heimatvertriebene aus Stettin in die Dreiflüssestadt.

Dr. Leon Weintraub, der im Kindesalter den Überfall der Wehrmacht auf Polen in seiner Heimatstadt Lodz miterlebt hatte, bemüht sich seit über drei Jahrzehnten um die Aufarbeitung der Shoa (hebräische Bezeichnung für den Holocaust) und hat u. a. unter dem Titel „Versöhnung mit dem Bösen – Geschichte eines Weiterlebens“ die Stationen seines außergewöhnlichen Lebens als Buch verfasst. Er mahnte angesichts des Überfalls der Hamas auf die israelische Zivilbevölkerung in 2023 an: „Die DNA-Forschung hat bewiesen, dass es nur eine Rasse gibt, nämlich die des Homo Sapiens: Unter unserer Haut, egal welche sie Farbe sie auch hat, gibt es keine Unterschiede. Deshalb habe ich noch Hoffnung, dass der gesunde Menschenverstand irgendwann siegen wird. Friedlich miteinander zu leben, kostet keinen Cent. Kriegerisches Handeln in Verbindung mit Aufrüstung dagegen schon. Dieses Geld könnte eine viel bessere Verwendung finden.“

Autor/in: Pressestelle Stadt Hann. Münden

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